Alpen-Tour

7/2025 - Österreich, Italien und Slowenien

Gerade Slowenien geistert seit langem als Land mit tiefblauen, klaren Seen und Flüssen, viel Wald, Bergen und Wildnis in unseren Köpfen herum. Warum nicht endlich mal diese Richtung einschlagen, nachdem wir mit dem Camper bisher meistens Richtung Norden unterwegs waren?
2025 fällt also unsere Entscheidung für einen Roadtrip durch die österreichischen, dann italienischen Alpen und Flusstäler bis hinunter zum Meer, und in einer Schleife durch Slowenien wieder zurück: eine 3-Länder-Tour.
Wie immer halten wir es offen, wie wir den Trip ausgestalten. Wir buchen nichts vor.

Wie sich unsere Route tatsächlich entwickelt hat, lässt sich ein wenig durch die Karte nachvollziehen. Die roten Sterne sind wie gewohnt entweder denkwürdige Übernachtungsplätze oder ein paar Highlights. Und noch ein Hinweis: Die Fotos lassen sich anklicken, um sie vollformatig zu sehen.

Danke für euer Interesse 🙂

Zugegeben, im Vorfeld mache ich mir reichlich Gedanken um unsere Campmöglichkeiten im Süden, wo es grundsätzlich nicht gern gesehen oder ganz verboten ist, außerhalb von Campingplätzen zu stehen. Es ist Hauptreisezeit, wir lassen uns aber gern treiben und wollen uns die Freiheit erhalten, spontan einen Platz zu buchen. Mal sehen, ob das so funktioniert …

 

TAG 1 bis 2 – Ich wähle mal meine alte Heimat, die Familie, den Chiemsee, als Startpunkt der eigentlich Tour, nach einer schönen Zwei-Tages-Etappe durch Deutschland bis nach Oberbayern. Der Chiemsee … immer wieder schön.

TAG 3 – Ein Tag gehört noch meinen ehemaligen „Hausbergen“, einer kurzen Kletterei auf den Engelstein, von dem man in die Chiemseeniederung schaut, unter uns das Bergener Moos. Und kurz entschlossen noch von „hinten her“ die Bründling Alm am Hochfelln. Durch blühende Almwiesen, wie es schöner nicht geht. 

TAG 4 – Wir nehmen Abschied von der Familie, es geht los. Die grauen Wolken hängen tief, als wir Bayern verlassen und die Grenze zu Österreich passieren. Die Berge sind auf dieser Alpenseite dick eingehüllt und es regnet immer wieder.
Uli kennt die Karst-Eishöhlen in Werfen noch nicht, das Vormittagsprogramm ist hiermit gesichert: die Eisriesen-Welt. Ich war als Kind hier und erinnere mich noch vage an den Aufstieg zum Eingang, an die dicke Stahltür, die die Wärme im Sommer draußen hält. Inzwischen ist das Naturdenkmal touristisch maximal aufbereitet, doch die Tür ist immer noch die gleiche. Und auch der Kamineffekt durch den krassen Temperaturunterschied, wenn man die Höhle betritt. Mütze festgehalten … Wieder ist es sehr beindruckend, welche andere Welt sich im Innern der Berge auftut. Das Eis schwindet allerdings auch hier durch den Klimawandel, es kommt weniger Schmelzwasser nach, mache Felsen, die einst vereist waren, sind nun blanker Fels.

Wir zielen im Anschluss an die Höhlentour Richtung Dolomiten. Es ist schön, mal wieder durch diese Bergwelt zu fahren, auch wenn das Wetter erst einmal nicht mitspielt. Doch ab und zu tauchen hellgraue Felswände und Bergspitzen aus dem dichten Grau auf. Wir wählen die östlichere Nord-Süd-Strecke und biegen dann ins schöne Defereggen Tal ab. Hier beehrt uns kurz die Sonne und enthüllt eine traumhafte, satte grüne, ganz eigene Berglandschaft. Ab dem Staller Sattel geht es in Serpentinen hinunter nach Antholz und weiter bis Bruneck. Wir finden einen Ü-Spot an einem Fluss … von dem wir stante pede wieder verjagt werden. So viel zum Versuch, frei zu campen. Dann soll es nicht sein, wir nehmen stattdessen einen ordnungsgemäßen Stellplatz am Ortsrand von Bruneck.

TAG 5 – Die Nacht war gewittrig, und immer noch hängen die Wolken tief. Unser Wunsch ist es, heute unseren ersten Berg in Angriff zu nehmen. Dazu haben wir uns eine 5-Stunden-Tour im Drei-Zinnen-Gebiet ausgesucht. Früh am Parkplatz angekommen, regnet es allerdings in Strömen, ohne Aussicht auf Besserung. Sinnlos, hier zu bleiben. Wir fahren weiter, noch ein Stück südlich in der Hoffnung, dass es vielleicht aufhellt. 
Um die Tofana herum scheint es besser zu werden. Bei Komoot habe ich während der Fahrt einen schönen Panorama-Rundweg zum Col dei Bos (2559 m) ausfindig gemacht, daher biegen wir bei Cortina d’Ampezzo Richtung Westen ab.

Es zeigen sich wahrhaftig Wolkenlücken, es ist gut genug, um zumindest zu starten. Bei unserem Aufstieg sind wir umgeben von Wildblumenwiesen, später grandiosen Felswänden, wir treffen auf eine zutrauliche Schafherde (Uli mit dem Hirten-Gen) und schauen rüber zum zackigen Ensemble Groda da Lago und den Cinque Torri. Thanks a lot! Das Wetter hält 🙂
Präsent sind hier oben allerdings auch vergangene unschöne Ereignisse. Die Schützengräben vom Weltkrieg sind noch gut erhalten, zahlreiche simple Kreuze, mit Stacheldraht umrankt, machen die Zeit unvergessen.

Der Abstieg wird dann doch noch nass, und der heiße Kaffee am Bus tut gut. 

Wir bleiben nicht, sondern fahren noch bis zum Lago di Santa Croce auf einen Campingplatz. Er steht durch den starken Regen, der die Alpenregion heimgesucht hat, zum Teil weitflächig unter Wasser. Wir finden aber eine trockene Ecke und stillen unseren Hunger in einer Pizzeria im Nachbarort.

TAG 6 – Wärme und Sonnenschein! 

Ein blank geputzter, blauer Morgen. Eine Wolkenfahne zieht sich über den klaren, grünen See. Wir tunken kurz ein, warten aber nicht mehr ab, bis sie sich ganz aufgelöst hat. 

Weiter geht’s gemütlich Richtung Adria, Richtung Monfalcone. Am Tagliamento könnte es einen versteckten Mittags-Picknickplatz geben? So ist es. Eine pfützen- und gebüschreiche Trasse, die zum Glück hier nicht privat ist, führt uns ans Ostufer.
Das breite, flache Kiesbett des Flusses zieht sich lange durch die Südalpen, ein schmaler Streifen milchig-türkisen Wassers verliert sich fast in ihm. Wieviel Wasser muss der Tagliamento früher mitgeführt haben, als es noch richtig viel Schnee gab! Hier an unserem Platz verteilt sich das Wasser auf eine weite Fläche.

Vor Monfalcone biegen wir nach rechts ab und sind mitten im Trubel. Aquileia, Grado, Orte mit römischer Geschichte. Grado ist auch ein nettes Städtchen mit einfach sehr italienischem Flair, geeignet für einen Schlendrian mit Kaffee und Kaltgetränk.

Gegen Abend erreichen wir Sistiana, oberhalb von Triest gelegen. Unser Übernachtungsplatz ist ein Agriturismo am Ortsende. Gefällt uns sehr! Unter Bäumen gelegen und durch kleine, gemauerte Terrassen strukturiert. Jeder Camper hat ausreichend Platz um sich herum. Im Kühlschrank an der Rezeption finden wir lokale Biere und eingelegtes Gemüse vor. Ein echter Glücksgriff 🙂

TAG 7  gehört Triest.
Wir sind zu Fuß unterwegs und lassen die Stadt auf uns wirken. Die langen, hohen Häuserschluchten sind Triest wohl ganz eigen, schöner finden wir den etwas verspielteren Teil, wo sich schmale Pflasterstraßen den Hang hinaufwinden. Wir sehen uns auf dem Forum Romanum des Castello di San Giusto um, an dem auch die Cattedrale von Triest steht und streifen um das Amphitheater herum.
Nach ein paar Stunden Trubel und einem leckeren Fischessen reicht uns Stadt. Wir fahren ein Stück raus, um noch an der Küste entlang zu gehen. 

Wir parken oberhalb des Strandbads von Caravella (etwas nördlich von Triest), erfrischen uns kurz im Meer und laufen anschließend auf dem „Sentiero Rilke – Rilke Weg“ hoch über dem tiefblauen Meer bis zum Castello Duino und wieder zurück. Gefällt uns gut, der Weg ist steinig, felsig, dann wieder voller Wurzeln, also sehr naturbelassen.

TAG 8: Piran.
Nach einer weiteren Nacht auf dem idyllischen Campground in Sistiana fahren wir über die Grenze. Knapp südlich von Triest liegt das slowenische Piran aka Klein Venedig. Da ist was Wahres dran. Wie im richtigen Venezia ist einiges los, die Restaurants sind voll, die Hauptwege und Sehenswürdigkeiten sehr belebt. Aber es ist wirklich hübsch. Viele kleine, schmale Gassen, verschachtelte Häuschen, kleine Campi, ein Campanile und eine Promenade am klaren Wasser, das auch uns nochmal zum Schwimmen einlädt.

Wir nehmen Abschied vom Meer … und vom blauen Himmel.
Von Piran aus geht unsere Fahrt in die waldige Landschaft von Inland-Slowenien. Wolken und Sonne wechseln sich bald ab. Phasenweise erwischt uns Starkregen, die Wälder dampfen, die Hügelketten folgen dicht aufeinander. Ab und zu reckt sich ein hoher Kirchturm aus dem satten Grün, von der Sonne angeleuchtet. Mich erinnert die Landschaft hier ein bisschen an den Bayerischen Wald.
Nachmittags erreichen wir unser Naturcamp Godičevo. Einfach ein großes Privatgrundstück mit nett hergerichteten Facilities, spontan gefunden – und gebucht. Schön hier, sehr unkompliziert.
Eine ganze große Wiese haben wir für uns. Eine alte Husky-Dame trottet herbei und begrüßt uns, der Hof- und Bären-Warnhund. Es gibt hier einen Bären, wird uns erzählt.
Wachsam, was mich betrifft auch ein bisschen angespannt ist daher unser Abendspaziergang. Zumal wir sogar Bärenspuren sehen.
Wir genießen ein Abendbier am Bloke See und folgen dann lieber der Straße zurück zum Bus.

TAG 9. 

Heute Nacht kam kein Bär vorbei. Ich stelle jedoch fest, dass ich nicht dafür gemacht bin, entspannt durch Bärengebiet zu wandern (angeblich gibt es in der süd-slowenischen Ecke ca. 600). Eine Bergtour auf den Snežnik – der Schneeberg – als höchste Erhebung wäre schon eine schöne Sache gewesen, aber wir entscheiden uns um.
Wir tauchen statt dessen in ein ziemlich großes Karsthöhlensystem ab, die Križna Jama. Es ist längst nicht das größte, aber das einzige natürliche erhaltene Schau-Höhlensystem. Über 20 unterirdische Seen hat man mittlerweile gefunden und man ist noch nicht am Ende. In Gummistiefeln und mit Kopflampen ausgestattet streifen wir auf unserer „kurzen“ Tour (die lange Mehrstündige ist längst ausgebucht, wäre aber natürlich höchst spannend gewesen) durch hohe Hallen, entlang sensitiver Sinterformationen, gehen ein Flussbett entlang, überqueren 3 stille, grüne Seen mit dem Boot. Sehr beeindruckend, die Strukturen geologisch professionell erklärt. Ein tolle Erfahrung. 

Nach ca. 2 Stunden sind wir wieder am Tageslicht. Wir statten dem Wasserschloss Kozarišče einen Besuch ab und erkunden dort ein wenig die Gegend, fahren dann aber weiter nach Westen. Unser abendliches Ziel ist ein Campingplatz an der Kupa, einem Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien. 
Und wieder haben wir es richtig gut hier. Meine Bedenken, keine schönen Orte zum Schlafen zu finden, haben sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Das Grundstück ist schön weitläufig, und beherbergt auch ein alte Mühle. Und es ist auch nicht übervoll. Einige Einheimische sind nur zum Schwimmen hier. Das Wasser ist glasklar. Wir gehen wie sie eine Runde Baden und genießen einen Abenddrink and der „Bar“.

TAG 10   Weil es so schön ist, gehen wir auch früh morgens noch einmal schwimmen. Nach dem Frühstück brechen wir Richtung Hauptstadt auf.

Die Innenstadt von Ljubljana gefällt uns gut, zumindest das, was wir erkunden. Lebendig, ein bisschen alternativ vielleicht. Die Fronten der ganz alten Häuser sind oft reich verziert, architektonisch sind die Gebäude ansonsten eine bunte Mischung. Es würde sich sicher lohnen, hier etwas mehr Zeit zu verbringen.
Aber unser Fokus liegt ja eher auf Natur, wenn wir mit dem Bus unterwegs sind.
Wir finden auf jeden Fall was Gutes zu essen, schlendern an der Ljubljaniča entlang, ein bisschen kreuz und quer, bevor wir die Stadt wieder verlassen.

Die östliche Ecke von Slowenien lassen wir aus, die Berge haben eine zu große Anziehungskraft.
Am Fluss Sava (nahe Krajn) gibt es Platz für uns und für die Nacht im schönen Eco River Camp. Es ist äußerst gut gelegen für weitere Unternehmungen in der Gegend, wie z.B. Kayak fahren, Rafting, Bergsteigen.

Wie alle Flüsse hier ist auch die Sava traumhaft klar und smaragdgrün. Die Wasserbecken strahlen so eine intensive Ruhe aus! Wir spazieren abends noch ein Stück entlang.

TAG 11    Wir wollen mal wieder in die Höhe. Unser Gipfel: Srednji vrh, ein recht unbekannter und wenig frequentierter Berg. Die Tour ist sehr schön, auch anstrengend, zumindest von der steileren Seite, die wir hochkommen. Als Belohnung haben wir den wunderbaren Weitblick zu den Gipfeln des Triglav Nationalparks. Wir treffen hier oben auf nette Landsleute mit Hund. Die drei haben sich den steilsten der drei Anstiege ausgesucht und sind sichtbar froh, es geschafft zu haben. Zudem ist es auch richtig heiß heute. Grenzwertig für den Hund.

Bergab geht wir und auch die drei anderen, einen anderen Weg, einen längeren an der Südflanke, mit Stopp an einer sehr urigen Berghütte für ein kaltes Radler. 
Beeindruckend ist auch das Ende dieses Wegs: der Bornov Tunnel, ein Kriegstunnel. Es sind mehrere Abschnitte, die durch den steilen Felsen gehauen wurden. Man möchte sich nicht vorstellen, was sich hier abgespielt hat.

Unser Abend klingt im River Camp aus, bei einem Abend-Snack an der „Bar“, einem coolen Wohnwagen.

TAG 12    Der Bleder See, in jeder Slowenien-Doku kommt er vor. Tiefblau und klar, mit einer Kirche vor dem Bergpanorama.
Und wie oft habe ich mir gewünscht, dieses Wasser einmal zu sehen. 
Wir brechen früh vom Camp auf, um vor der Masse da zu sein. Wir finden auch ein Ecke, wo man noch gut parken kann: Am Ruderclub. 
Und dann nichts wie rein! Dieser See hält, was er verspricht. Es ist wunderbar!

Und wo wir schon bei so tollen Gewässern sind: Wir möchten auch die Soča sehen, diesen so türkisen Bergfluss, der sich durch den Triglav Nationalpark gegraben hat. Die beliebte Vintgar Klamm ist ausgebucht. Man muss sich einen zeitlichen Slot erobern, und wir sind viel zu spät dran. Daher fahren wir zur Tolminka Klamm. Auch hier mussten wir vorbuchen. Die Tolminka mündet in die Soča und ist genauso türkis.
Es ist schön, die Klamm und ihre Wasser-Licht-Spiele ein kleines Stück mit der Kamera zu erkunden, aber es ist auch ein bisschen voll.
Auf unserer Weiterfahrt nach Westen stoßen wir noch einmal auf die Soča, fahren ein Stück an ihr entlang und gehen sogar einmal schwimmen, bevor wir Slowenien verlassen und Italien betreten. Hier wird die Soča zum Isonzo. 

Wir müssen langsam wieder an einen Übernachtungsplatz denken. Uli hat recherchiert und etwas Nettes gefunden, oberhalb von Cividale del Friuli gelegen (Zucco Hill Valley). Wirklich oberhalb, denn wir fahren auf eine kleine Anhöhe, ein kleines Anwesen und haben einen schönen Blick und ein Outdoor-Spülbecken. Nun sind wir also erstmals im Friaul. Bekannt für gutes Essen und Wein …

TAG 13    Cividale del Friuli ist reich an bewegter Geschichte. Kein anderer als Julius Cäsar war der Gründer der Stadt, nach dem die Siedlung zuvor von Kelten, wenn auch nicht von Galliern bewohnt wurde.
Die Langobarden waren hier und haben im Kloster Santa Maria eine sehr alte Kapelle aus dem 8. Jh  hinterlassen (Tempietto Langobardo), die wir uns auch anschauen (UNESCO Weltkulturerbe). Byzantinische Fresken sind zu sehen, auch sehr alt und besonders. 
Die Altstadt an sich ist auch sehr schön und malerisch, mit der Ponta Diavola über den Fluss Natisone. Wir freuen uns, dass wir hier gelandet sind, durchstreifen die versteckten Gassen und finden ein gutes Restaurant direkt am Fluss. Natürlich trinkt man hier Wein vor, während und nach dem Essen …

Anschließend geht es für uns weiter Richtung Berge, über San Francesco und Anduins bis zu einer Klamm des Arzino, der Cerdevol Curnila. In der Map ist hier eine Badestelle eingezeichnet, das wollen wir uns ansehen. Es sieht nach Regen aus, trotzdem klettern wir von der Straße runter zum Fluss. Er macht hier eine Schleife, ein tiefes, großes Felsbecken hat sich gebildet. Ein herrliches türkises Schwimmbad mit Strömung – und eiskalt. Nach ein paar Minuten werden wir auch von oben nass, aber das war es wert!
Erfrischt queren die Berge durch das versteckte Valle di Preone. Die Straße ist abenteuerlich, über weite Strecken nur einspurig.  Es kommt zum Glück nichts entgegen, was uns jetzt aber auch nicht wundert. Abgelegener geht es kaum noch. Unser Endziel für heute ist Ampezzo. 

TAG 14   Die nächste Bergtour steht an. Wir sind mittlerweile in den Julischen Alpen und haben uns eine Tour um den Crodon di Tiarfin ausgesucht.
In Ampezzo ist Markt. Wir decken uns mit lokalem Obst und Käse sowie Panini ein, dann fahren wir zu unserem Startpunkt an der Sella di Razzo.
Kuhwiesen, Wildblumen, Morgensonne, der erste Anstieg ist üppig grün und bunt. Auf ca. 2000 m erreichen wir ein Plateau und machen eine kurze Panorama Pause, mit gigantischem Ausblick in alle Richtungen. 

Nicht zu übersehen ist der Weg quer über das Geröllfeld auf der gegenüber liegenden Seite, die Route auf den Monte Tiafin bzw. die Cima Ovest, die Westzinne rechts daneben. Ein Gipfel reizt mich immer, und Uli ist  – sagen wir mal – einverstanden?
Am Fuß der Felsen angekommen wird der Aufstieg allerdings anspruchsvoll, steil, steinig und geröllig. Wir kommen nur langsam voran und müssen gut aufeinander aufpassen, dürfen nichts ins Rollen bringen. Nach einer kurzen Kletterei am letzten Absatz ist es dann geschafft. Auf der Cima (ca. 2400 m) gönnen wir uns eine kurze Erholungspause und einen Happen zu essen, dann geht es mit Herzklopfen wieder runter. Direkt am Fels entlang ist der Weg nicht ganz so lose und der Abstieg fällt uns etwas leichter.
Von unten schauen wir uns später die Schneise nochmal an. So viel harmloser sieht sie aus.
Dann lenken wir unseren Blick auf diese schöne weite Hochebene, lieblich, aber immer wieder unterbrochen von Fels, Stein und Latschen. Wir machen länger Pause auf einem Fleck Wiese und genießen einfach nur.
Unser restlicher Abstieg führt um den Bergkomplex herum und vorbei an der Refugio Tartoi, einer wirklich schönen Hütte mit Aussicht und leckeren Nachspeisen.

Nach der spannenden Tour fehlt uns dann nur noch ein Platz zum Schlafen. Vom Bus aus fragen wir gleich am einzigen Campingplatz im Bergdorf Sauris an. Ja, sie haben noch einen Platz für uns, aber wir müssen in einer Viertelstunde da sein, denn die Rezeption macht zu. Ui, das Navi sagt 20 min. Uli gibt alles.

TAG 15   Sauris ist uns schon auf der Fahrt nach oben aufgefallen. Fast durchweg alte Holzhäuser, sehr malerisch. Wir lesen, dass man hier großen Wert auf alte Traditionen legt, auf nachhaltigen Tourismus, auf Slow Food. Es gibt lokalen Käse und Schinken. Das gefällt uns doch! Wir laufen vom Camp in Sauris di Sopra (oben) bergab, halten zwischendurch in einer Hütte für ein knallgrünes Getränk (angeblich ein Sciroppo) sowie einen Café und flanieren anschließend durch das schöne Sauris di Sotto (unten). Zu diesem Ort passt das Restaurant, das wir finden. Es gibt einfache traditionelle Speisen wie Bohnensuppe, Frico (Käsefladen) und – eben Käse in verschiedenen Stadien. So lecker!
Der Käseteller war die beste Werbung für den örtlichen Käseladen. Wir holen den Bus und nehmen reichlich davon mit, fahren auch noch zur berühmten Sauris-Schinkenräucherei für ein paar Mitbringsel.

Von einer Freundin immer wieder gepriesen sind sie Karnischen Alpen. Es gibt einen schönen Höhenweg, bestehend aus mehreren Tages-Etappen. 
Wir möchten am nächsten Tag eine Tagestour vom „unteren“ Ende her machen.
Unterhalb der Hohen Warte, in Collina, gibt es einen Bergsteiger-Campingplatz, den wir ansteuern. Nach einer kurvenreichen Strecke kommen wir nachmittags an, richten uns ein und gehen noch eine schnelle Runde, damit wir gut schlafen. Ab und zu spitzt schon einer der hohen Gipfel durch die Wolken. Wir sind gespannt auf morgen.

TAG 16     Bestes Bergsteigerwetter!
Erstes Zwischenziel ist der grüne Lago Volaia (Wolayer See), schon in Österreich/Kärnten gelegen. Nach 2 Stunden sind wir dort, die Sonne spitzt gerade so über die Grate. Wir gönnen uns gleich mal einen Kaffee an der Hütte, bevor wir Richtung Rauchkofel weitermarschieren. Ab 200o Höhenmetern hängen Wolken, der Wind treibt sie zusammen und reißt sie wieder auseinander, schickt sie an der fast 1000 m hohen Wand der Hohen Warte durch die Thermik rasant von unten nach oben. Vom Rauchkogel-Gipfel aus (2490 m) haben wir einen super Blick auf das gesamte Schauspiel.
Wir staunen auch nicht schlecht, als sich auch direkt hinter uns am Boden was bewegt. Schau an … ein Murmeltier will was von uns und traut sich extrem nahe ran! So frech! Menschen gewöhnt, wie es aussieht. Gerade, dass es mir nicht auf den Schoss klettert. Wir haben Zeit, das Tier in aller Ruhe zu beobachten. Schön auch, einen Geier unter uns fliegen zu sehen. 
Runter nehmen wir die Route über das Valentintörl, eine steile Blockrinne, danach durch ein Bergblumenparadies. Alle Bergsteiger bleiben stehen, um ein paar Fotos zu machen – wir auch.
Unser Weg mündet am Lago Volaia wieder in unsere Aufstiegs – und nun auch Abstiegsroute. Aber vorher: einmal kurz baden 🙂 … boah sooo kalt!!

Noch am gleichen Tag fahren wir auch mit dem Bus am Plöckenpass über die Grenze nach Austria. Neben einem Paar aus Litauen stellen wir uns bei Leifling auf eine Bauernwiese zum Übernachten.

TAG 17   Nun fühlt sich alles schon sehr nach Rückreise an, auch wenn jede Etappe, so auch diese, zu unserer „Schleife“ gehört. Wir entscheiden uns Richtung Norden für die Großglockner Hochalpenstraße. Sie ist schon ein Highlight, auch für alles, was zwei Räder hat, motorisiert oder nicht. Unfassbar, wie viele Höhenmeter Hobby-Rennradfahrer auf sich nehmen, um von unten – vermutlich Zell am See –  bis zum Franz-Josef-Gletscher zu radeln. Wir fahren also neben vielen Zweirädern bis zum Hochtor (dem Pass) und stellen da den Bus ab. Von hier geht eine Bergtour zum Brennkogel (3018 m) los. Anfangs lassen wir es uns offen, ob wir bis zum Gipfel gehen, aber wenn einem schon ein Dreitausender direkt vor der Nase liegt …
So viele, wie sich am Hochtor aufhalten, so wenige sind hier unterwegs. Wir treffen nur auf vereinzelte Bewegungsfreudige. Unter uns windet sich die Hochalpenstraße wie eine lange Schlange, vom Gipfel aus schauen wir rüber Richtung Großglockner, der sich leider in den Wolken versteckt, aber die schneebedeckten Hohen Tauern sehen wir allemal. 

Zurück am Hochtor gönnen wir uns einen Kaffee vor der Weiterfahrt. Wir kommen mit einer Rennradlerin ins Gespräch, die leider eine Magenverstimmung hat und aufgeben muss. Nun wartet sie hier auf ihren Mann, der alleine weitergefahren ist. Hoffentlich hat sie nochmal eine Gelegenheit.
Wir kurven nun auf der anderen Seite des Passes hinunter und suchen unseren nächsten Übernachtungsplatz.
In Rauris biegen wir ab und fahren das lange Tal nach hinten. Länger als gedacht, bis zum Seidlwinkel (Camping Andrelwirt). Hier ist es eng, aber wir finden auch hier ein relativ ruhige Ecke und beim Wirt ein zünftiges Abendessen.

TAG 18   Wir fühlen, dass unser Trip hier nun offiziell zu Ende ist. Natürlich fahren wir auch noch nach Hause, wir werden noch einmal in Bergen bei der Familie halt machen und wie gewohnt gemütlich in den Norden fahren. Bekannte Wege.

Es war einfach mal wieder toll.  Mit dem Bus unterwegs zu sein an sich, aber auch diese unterschiedlichen Gegenden zu erleben, mal Wasser, mal Berge, mal sogar beides. Ein bisschen Stadt und Menschen und viel Stille.

Danke euch für’s mitreisen 🙂

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