Alpen-Tour

7/2025 - Österreich, Italien und Slowenien

Selbst nach einem ganzen Jahr und vielen Eindrücken in diesem Frühling (2026) ist die schöne Tour von 2025 noch sehr präsent. Für manche Abläufe muss ich zwar ein bisschen kramen, aber Uli hilft mir dabei. Hier nun die Erinnerung an letzten Sommer, ich freue mich, sie endlich festzuhalten und mit euch zu teilen. Danke für euer Interesse 🙂

Juli 2025: Gerade Slowenien geistert seit langem als Land mit tiefblauen, klaren Seen und Flüssen, viel Wald, Bergen und Wildnis in unseren Köpfen herum. Warum nicht mal der Süden?
Attraktiv im Norden ist das erlaubte Campen außerhalb von Campingplätzen. Im Süden geht das nicht so einfach. Oder gar nicht. Wir wollen uns aber gern treiben lassen und uns die Freiheit erhalten, spontan einen Platz zu buchen. Spannend, ob das auch diesmal funktioniert … Es ist Hauptreisezeit.

Wie sich unsere Route tatsächlich entwickelt hat, lässt sich ein wenig durch die Karte nachvollziehen. Die roten Sterne sind wie gewohnt entweder denkwürdige Übernachtungsplätze oder ein paar Highlights. Und noch ein Hinweis: Die Fotos lassen sich anklicken, um sie vollformatig zu sehen.

 

TAG 1 bis 2 – Wir lassen uns Zeit, durch Deutschland bis nach Oberbayern zu fahren, halten am Main für die Nacht. Das Wetter ist einladend, ich freue mich, mit dem Rolling Home wieder unterwegs zu sein. Wir besuchen Familie, stellen uns an den heimatlichen Chiemsee, der sich von seiner besten Seite zeigt: Farbenfroh, stimmungsvoll, klar … immer wieder schön.

TAG 3 – Ein Tag gehört meinen ehemaligen „Hausbergen“, einer kurzen Kletterei auf den Engelstein, von dem man in die Chiemseeniederung schaut, unter uns das Bergener Moos. Kurz entschlossen steigen wir von dort noch weiter auf die Bründling Alm am Hochfelln. Durch blühende Almwiesen, wie es schöner nicht geht. Und das Radler schmeckt.

TAG 4    Die grauen Wolken hängen tief, als wir Bayern verlassen und die Grenze zu Österreich passieren. Es hat sich angekündigt. Die Berge sind auf dieser Alpenseite dick eingehüllt und es regnet immer wieder.
Uli kennt die Karst-Eishöhlen in Werfen noch nicht, das Vormittagsprogramm ist hiermit gesichert: die Eisriesen-Welt. Ich war als Kind hier – oder vielleicht sogar später nochmal mit unseren Kindern? – und erinnere mich noch an den Aufstieg zum Eingang, an die dicke Stahltür, die die Wärme im Sommer draußen hält. Inzwischen ist das Naturdenkmal touristisch maximal aufbereitet, doch die Tür ist immer noch die gleiche. Und auch der Kamineffekt durch den krassen Temperaturunterschied, wenn man die Höhle betritt.
Ein kurzer Sturm und wir sind in einer anderen Welt. Die riesigen Eisskulpturen sind mit ein bisschen Beleuchtung toll in Szene gesetzt. 
Das Eis schwindet allerdings auch hier durch den Klimawandel, es kommt weniger Schmelzwasser nach, mache Felsen, die einst vereist waren, sind nun blanker Fels.

Dieser Vormittag ist ein passender Einstieg in die Alpentour. Auf der Weiterfahrt denke einmal mehr darüber nach, wie „wild“ es hier ist, im Vergleich zum besiedelten Flachland. Auch wenn in den Alpen „viel los“ ist, ist trotzdem nur ein winzig kleiner Teil den Menschen wirklich zugänglich. Die Berge sind mächtig und wir sind klein.
Ab und zu tauchen hellgraue Felswände und Bergspitzen aus dem dichten Grau auf. Wir wählen die östlichere Nord-Süd-Strecke Richtung Dolomiten und biegen dann ins Defereggen Tal ab. Hier bricht die Sonne durch und enthüllt eine traumhafte, satt grüne, offene Landschaft. Überraschend anders und ein Kurzpause wert. Ab dem Staller Sattel geht es in Serpentinen hinunter nach Antholz und weiter bis Bruneck. Unsere Camper-App bietet uns einen freien Platz an einem Fluss … von dem wir stante pede wieder verjagt werden. So viel zum Versuch, frei zu campen. Dann soll es nicht sein, wir nehmen stattdessen einen ordnungsgemäßen Stellplatz am Ortsrand von Bruneck.

TAG 5   Die Nacht war gewittrig, und immer noch hängen die Wolken tief. Gern würden wir heute auf einen Berg. Mit viel Optimismus haben wir uns dazu eine 5-Stunden-Tour im Drei-Zinnen-Gebiet rausgesucht. Früh am Parkplatz angekommen, regnet es allerdings in Strömen, ohne Aussicht auf Besserung. Sinnlos, hier zu bleiben. Wir fahren weiter, noch ein Stück südlich in der Hoffnung, dass es vielleicht aufhellt.

Um die Tofana herum scheint es besser zu werden. Bei Komoot habe ich während der Fahrt einen Panorama-Rundweg zum Col dei Bos (2559 m) ausfindig gemacht, daher biegen wir bei Cortina d’Ampezzo Richtung Westen ab.

Es zeigen sich wahrhaftig Wolkenlücken, es ist gut genug, um zumindest zu starten. Und das Wetter hält! Der Weg ist toll, unten voller Wildblumenwiesen, später verläuft er knapp unterhalb der hohen Felswände der Tofana. Und wir haben kontinuierlich Sicht rüber zum zackigen Ensemble Groda da Lago und den Cinque Torri. Kurz vor dem Gipfel begleitet uns eine sympathische Schafherde (Uli hat einfach das Schäfer-Gen, irgendwie passiert ihm das öfter …) . 

Präsent sind hier oben allerdings auch vergangene unschöne Ereignisse. Die Schützengräben vom Weltkrieg sind noch gut erhalten, zahlreiche simple Kreuze, mit Stacheldraht umrankt, machen die Zeit unvergessen.

Der Abstieg wird dann doch noch nass, und der heiße Kaffee am Bus tut gut. 

Wir bleiben nicht (es regnet ja und es ist auch echt frisch), sondern fahren noch bis zum Lago di Santa Croce auf einen Campingplatz. Es hat auch hier sichtbar geschüttet, er steht partiell unter Wasser. Wir finden aber eine trockene Ecke und stillen unseren mittlerweile deutlichen Hunger in einer Pizzeria im Nachbarort.

 

TAG 6   Wärme und Sonnenschein! 

Das tut gut! Ein blank geputzter, blauer Morgen. Eine Wolkenfahne zieht sich sehr dekorativ über den klaren, grünen See. Nach dem Frühstück gehen wir schwimmen und genießen die offene Szenerie, warten aber doch nicht mehr ab, bis die Wolke sich ganz aufgelöst hat. 

Weiter geht’s gemütlich um den halben See und Richtung Adria, Monfalcone. Am Tagliamento könnten wir eine Mittagspause machen … der Fluss hat mich schon immer fasziniert, Hauptsächlich durch seine milchige, pastellgrüne Farbe und dieses überbreite Flussbett, das einmal Unmengen von Schmelzwasser aus den Südalpen mitgeführt haben muss.
Wir finden eine nicht-private Einfahrt zum Ufer, eine pfützen- und gebüschreiche Trasse (danke 4WD!) und halten ein kleines nettes Picknick. 

Vor Monfalcone biegen wir nach rechts ab und sind mitten im Trubel. Aquileia, Grado, zwei Orte mit römischer Geschichte. Grado ist ein nettes Städtchen mit sehr italienischem Flair, zu 3/4 vom Meer umgeben und sehr geeignet für einen Schlendrian mit Kaffee und Kaltgetränk.

Gegen Abend erreichen wir Sistiana, oberhalb von Triest gelegen. Unser Übernachtungsplatz ist ein Agriturismo am Ortsende. Gefällt uns sehr! Unter großen Bäumen gelegen und durch kleine, gemauerte Terrassen strukturiert. Jeder Camper hat ausreichend Platz um sich herum. Man achtet hier eindeutig darauf, dass es nicht zu voll wird.
Im Kühlschrank an der Rezeption finden wir lokale Biere und eingelegtes Gemüse vor. Ein echter Glücksgriff 🙂

TAG 7   Die ersten 4-5 Stunden des Tages gehören Triest. Das sommerliche Bade-Leben pulsiert an der langen Promenade, die weit vor der Innenstadt beginnt. Ich denke, hier kann man es als Local richtig gut aushalten.
Wir fahren mit dem Camper weiter rein, parken dann sehr zentral und schauen uns zu Fuß die Innenstadt an.
Anfangs gehen wir durch lange, hohe Häuserschluchten, die Triest ganz eigen sind, wie wir lesen. Es sind Prachtbauten aus der Habsburger Ära. Geschichtlich ist Triest sowieso recht interessant aufgrund seiner Lage.
Architektonisch schöner finden wir dann den etwas verspielteren Teil, wo sich schmale Pflasterstraßen den Hang hinaufwinden. Wir sehen uns auf dem Forum Romanum am Castello di San Giusto um, an dem auch die Cattedrale von Triest steht, streifen um das Amphitheater herum und gehen noch schön Fisch essen.

Vielleicht haben wir Gelegenheit, unsere Eindrücke nochmal zu vertiefen, nach Mittag zieht es uns wieder raus aus der Stadt. 

Wir parken oberhalb des Strandbads von Caravella (etwas nördlich von Triest), erfrischen uns kurz im Meer und laufen anschließend auf dem „Sentiero Rilke – Rilke Weg“ hoch über dem tiefblauen Meer bis zum Castello Duino und nach einem Eis wieder zurück. Gefällt uns gut, der Weg ist steinig, felsig, dann wieder voller Wurzeln, also sehr naturbelassen.

TAG 8   Piran.
Nach einer weiteren Nacht auf dem idyllischen Campground in Sistiana fahren wir über die Grenze. Knapp südlich von Triest liegt das slowenische Piran. Aka „Klein Venedig“. Da ist was Wahres dran. Wie im richtigen Venezia ist einiges los, die Restaurants sind voll, die Hauptwege und Sehenswürdigkeiten sehr belebt. Das liegt daran, dass es  – wie Venedig – auch wirklich sehr hübsch ist. Viele kleine, schmale Gassen, verschachtelte Häuschen, kleine Campi, ein Campanile und eine Promenade am klaren Wasser, das auch uns nochmal zum Schwimmen einlädt.

Wir nehmen Abschied vom Meer … und vom blauen Himmel.
Von Piran aus geht unsere Fahrt rauf und runter durch die waldige Landschaft von Inland-Slowenien. Wolken und Sonne wechseln sich bald ab. Phasenweise erwischt uns Starkregen, die Wälder dampfen, die Hügelketten folgen dicht aufeinander. Ab und zu reckt sich ein hoher Kirchturm aus dem satten Grün, von der Sonne angeleuchtet. Mich erinnert die Landschaft hier ein bisschen an den Bayerischen Wald.
Nachmittags erreichen wir unser Naturcamp Godičevo. Einfach ein großes Privatgrundstück mit einem nett hergerichteten offenen Schuppen als Outdoorküche und allem, was man sonst so braucht. Spontan gefunden – und gebucht. Schön hier, sehr unkompliziert. Die Frau des Hauses ist sehr sympathisch.
Eine ganze große Wiese haben wir für uns. Eine alte Husky-Dame trottet herbei und begrüßt uns, der Hof- und Bären-Warnhund. Es gibt hier einen Bären, wird uns erzählt.
Wachsam, was mich betrifft auch ein bisschen angespannt ist daher unser Abendspaziergang. Zumal wir sogar Bärenspuren sehen.
Wir genießen ein Abendbier am nahen Bloke See und folgen dann im Halbdunkel lieber der Straße zurück zum Bus.

TAG 9. 

Heute Nacht kam kein Bär vorbei. Ich stelle jedoch fest, dass ich nicht dafür gemacht bin, entspannt durch Bärengebiet zu wandern (angeblich gibt es in der süd-slowenischen Ecke ca. 600). Eine Bergtour auf den Snežnik – den Schneeberg – als höchste Erhebung wäre schon eine schöne Sache gewesen, aber wir entscheiden uns um.
Wir tauchen statt dessen in ein ziemlich großes Karsthöhlensystem ab, die Križna Jama. Es ist längst nicht das größte, aber das einzige natürliche erhaltene Schau-Höhlensystem. Über 20 unterirdische Seen hat man mittlerweile gefunden und man ist noch nicht am Ende. In Gummistiefeln und mit Kopflampen ausgestattet streifen wir auf unserer „kurzen“ Tour (die lange Mehrstündige ist längst ausgebucht, wäre aber natürlich höchst spannend gewesen) durch hohe Hallen, entlang sensitiver Sinterformationen, gehen ein Flussbett entlang, überqueren 3 stille, grüne Seen mit dem Boot. Sehr beeindruckend, die Strukturen geologisch professionell erklärt. Ein tolle Erfahrung. 

Nach ca. 2 Stunden sind wir wieder am Tageslicht. Wir statten dem nahe gelegenen Wasserschloss Kozarišče einen Besuch ab und erkunden dort ein wenig die Gegend, fahren dann aber weiter nach Westen. Unser abendliches Ziel ist ein Campingplatz an der Kupa, einem Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien. 
Und wieder haben wir es richtig gut hier. Meine Bedenken, keine schönen Orte zum Schlafen zu finden, haben sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Der Platz ist schön weitläufig und beherbergt eine alte Mühle. Es ist auch nicht übervoll. Einige Einheimische sind nur zum Schwimmen hier. Das Wasser ist glasklar. Wir gehen wie sie eine Runde Baden und genießen einen Abenddrink and der „Bar“.

TAG 10   Nach dem Morgen-Bad und Frühstück brechen wir Richtung Ljubljana auf.

Wie sieht wohl eine slowenische Hauptstadt aus?! Wie auch in Triest nehmen wir uns einen halben Tag Zeit, um einen ersten Eindruck von der Innenstadt zu bekommen. Ljubljana ist eine architektonisch interessante Stadt. Es gab wohl DEN Architekten (Plečnik), der das Antlitz der Stadt geprägt hat. Viele alte Häuser sind reich verziert, haben tolle Fensterläden. Insgesamt fallen uns aber sehr viele unterschiedliche Stilrichtungen auf. Es gibt allerhand zu entdecken.
Wie wirkt es auf uns? Angenehm lebendig auf jeden Fall, ein bisschen alternativ vielleicht? Unverkitscht. Cafés, Restaurants en masse, Studentenstadt. Flohmarkt am Fluss, Tourismus auf den Brücken über der Ljubljaniča. Wir sitzen in einem „liberalen“ Café neben internationalen Studenten und trinken fairen Kaffee.
3-5 Tage würden sich hier sicher lohnen.
Aber nachdem unser Fokus ja eher auf Natur liegt, wenn wir mit dem Camper unterwegs sind, sind wir nach dem Mittagessen wieder on the road.

Die östliche Ecke von Slowenien lassen wir aus, die Berge in Sloweniens Westen haben eine zu große Anziehungskraft.
Am Fluss Sava (nahe Krajn) gibt es Platz für die Nacht im Eco River Camp. Es ist nett da, äußerst gut gelegen für Unternehmungen aller Art in der Gegend. Schön gemacht, mit einer „Bar“ und Lounge Area. Und man wirtschaftet recht nachhaltig.

Die Sava ist traumhaft klar und smaragdgrün. Die Wasserbecken strahlen so eine intensive Ruhe aus! Wir spazieren abends noch ein Stück entlang.

TAG 11    Wir wollen mal wieder in die Höhe. Unser Gipfel: Veleki vrh (ca. 2000 m), ein recht unbekannter und wenig frequentierter Berg. Sloweniens Highlight ist vermutlich der gesamte Triglav Nationalpark mit den höchsten Gipfeln dort. Unser Berg liegt östlicher, nahe Jeseniče, in den Karawanken. Die Tour ist sehr schön, nicht unanstrengend, zumindest von der steileren Nordseite her. Die Belohnung ist der wunderbare Weitblick zu den großen Gipfeln im Westen. Wir treffen hier oben auf nette Landsleute mit Hund. Die drei haben sich den steilsten der drei Anstiege ausgesucht und sind sichtbar froh, es geschafft zu haben. Zudem ist es auch richtig heiß heute. Grenzwertig für den Hund.

Bergab gehen wir, wie die drei anderen, den längeren Weg an der Südflanke entlang, mit Stopp an der sehr urigen Roblekov Dom für ein kaltes Radler. 
Beeindruckend ist auch das Ende der Runde: der 200 m lange Bornov Tunnel, ein Kriegstunnel. Es sind mehrere Abschnitte, die durch den steilen Felsen gehauen wurden. Man möchte sich nicht vorstellen, was sich hier abgespielt hat.

TAG 12    Der Bleder See, in jeder Slowenien-Doku kommt er vor. Tiefblau und klar, mit einer Kirche auf der Insel vor dem Bergpanorama.
Und wie oft habe ich mir gewünscht, dieses Wasser einmal zu sehen. 
Wir brechen früh vom Camp auf, um vor der Masse da zu sein. Wir finden auch ein Ecke, wo man noch gut parken kann: Am Ruderclub. 
Und dann nichts wie rein! Dieser See hält, was er verspricht. Es ist wunderbar!

Und wo wir schon bei so tollen Gewässern sind, wir haben Ansprüche: Wir möchten auch die Soča sehen, diesen so türkisen Bergfluss, der sich durch den Triglav Nationalpark gegraben hat. Oder zumindest etwas Gleichwertiges. Die beliebte Vintgar Klamm ist ausgebucht. Man muss sich einen zeitlichen Slot erobern, und wir sind viel zu spät dran. Daher fahren wir zur Tolminka Klamm. Auch hier mussten wir vorbuchen. Die Tolminka mündet in die Soča und ist genauso türkis.
Es ist schön, die Klamm und ihre Wasser-Licht-Spiele ein kleines Stück mit der Kamera zu erkunden, aber es ist auch ein bisschen voll.
Auf unserer Weiterfahrt nach Westen stoßen wir noch einmal auf die Soča, fahren ein Stück an ihr entlang und gehen sogar einmal schwimmen, bevor wir Slowenien verlassen und Italien betreten. Hier wird die Soča zum Isonzo. Ich bin vollends zufrieden.

Wir müssen langsam wieder an einen Übernachtungsplatz denken. Uli hat recherchiert und etwas Nettes gefunden, oberhalb von Cividale del Friuli gelegen (Zucco Hill Valley). Wirklich oberhalb, denn wir fahren eine fast schon mondäne Zufahrt hoch zu einem kleinen Anwesen. Das Anwesen beherbergt jetzt offensichtlich „nur noch“ eine ganz normale Familie, die es sich hier oben schön macht und ein wenig Geld generiert, indem sie die heiligen Hallen für Gesellschaften, und uns Campern einen Wiesenplatz zur Verfügung stellt. Alle Fahrzeuge gruppieren sich kreisförmig um eine Art Fundament eines alten Pavillion oder eines Brunnens? Vermutlich hatte man hier auch ein Dach, welches nicht mehr existiert? Wir haben es nicht erraten. Auf jeden Fall haben wir einen super Platz, einen schönen Blick und ein Outdoor-Spülbecken.

Nun sind wir also erstmals im Friaul. Bekannt für gutes Essen und Wein …

TAG 13    Das kleine Cividale del Friuli war einmal eine sehr bedeutende Stadt in dieser Gegend. Welche und wieviele Völker sie bewohnt und wie viele Herrscher hier Einfluss hatten, kann man sich gar nicht merken. Sehr, sehr bewegt. Ich bleibe dabei, dass kein anderer als unser Bekannter Julius Cäsar der Gründer der Stadt war, nach dem die Siedlung zuvor von Kelten, wenn auch nicht von Galliern bewohnt wurde.
Die Langobarden waren hier und haben im Kloster Santa Maria eine sehr alte Kapelle aus dem 8. Jh  hinterlassen (Tempietto Langobardo), die wir uns auch anschauen (UNESCO Weltkulturerbe). Byzantinische Fresken sind zu sehen, auch sehr alt und besonders. 
Die Altstadt an sich ist auch sehr schön und malerisch, mit der Ponta Diavola über den Fluss Natisone. Wir freuen uns, dass wir hier gelandet sind, durchstreifen die versteckten Gassen und finden ein gutes Restaurant direkt am Fluss. Natürlich trinkt man hier Wein vor, während und nach dem Essen …

Anschließend geht es für uns weiter Richtung Berge, über San Francesco und Anduins bis zu einer Klamm des Arzino, der Cerdevol Curnila. In der Map ist hier eine Badestelle eingezeichnet, das wollen wir uns ansehen. Es sieht nach Regen aus, trotzdem klettern wir von der Straße runter zum Fluss. Er macht hier eine Schleife, ein tiefes, großes Felsbecken hat sich gebildet. Ein herrliches türkises Schwimmbad mit Strömung – und eiskalt. Nach ein paar Minuten werden wir auch von oben nass, aber das war es wert!
Erfrischt queren wir die Berge durch das versteckte Valle di Preone. Die Straße ist abenteuerlich, über weite Strecken nur einspurig.  Es kommt zum Glück nichts entgegen, was uns jetzt aber auch nicht wundert. Abgelegener geht es kaum noch. Unser Endziel für heute ist Ampezzo

TAG 14   Die nächste Bergtour steht an. Wir sind mittlerweile in den Julischen Alpen und haben uns eine Tour um den Crodon di Tiarfin ausgesucht.
In Ampezzo ist Markt. Wir decken uns mit lokalem Obst und Käse sowie Panini ein, dann fahren wir zu unserem Startpunkt an der Sella di Razzo.
Kuhwiesen, Wildblumen, Morgensonne, der erste Anstieg ist üppig grün und bunt. Auf ca. 2000 m erreichen wir ein Plateau und machen eine kurze Panorama Pause, mit gigantischem Ausblick in alle Richtungen. 

Nicht zu übersehen ist der Weg quer über das Geröllfeld auf der gegenüber liegenden Seite, die Route auf den Monte Tiarfin bzw. die Cima Ovest, die Westzinne rechts daneben. Ein Gipfel reizt mich immer, und Uli ist  – sagen wir mal – einverstanden?
Am Fuß der Felsen angekommen wird der Aufstieg allerdings anspruchsvoll, sehr steil, steinig und geröllig. Wir kommen nur langsam voran und müssen gut aufeinander aufpassen, dürfen nichts ins Rollen bringen. Nach einer kurzen Kletterei am letzten Absatz ist es dann geschafft. Auf der Cima (ca. 2400 m) gönnen wir uns eine kurze Erholungspause und einen Happen zu essen, dann geht es mit Herzklopfen wieder runter. Direkt am Fels entlang ist der Weg nicht ganz so lose und der Abstieg fällt uns etwas leichter.
Von unten schauen wir uns später die Schneise nochmal an. So viel harmloser sieht sie aus.
Dann lenken wir unseren Blick auf diese schöne weite Hochebene, lieblich, aber doch immer wieder unterbrochen von großen Felsbrocken und Latschen. Wir machen länger Pause auf einem Fleck Wiese und genießen einfach nur.
Unser restlicher Abstieg führt um den ganzen Bergkomplex herum und vorbei an der Refugio Tartoi, einer wirklich schönen Hütte mit Aussicht – und leckeren Nachspeisen.

Nach der langen, spannenden Tour fehlt uns dann nur noch ein Platz zum Schlafen. Vom Bus aus fragen wir gleich am einzigen Campingplatz im Bergdorf Sauris an. Ja, sie haben noch einen Platz für uns, aber wir müssen in einer Viertelstunde da sein, denn die Rezeption macht zu. Ui, das Navi sagt 20 min. Uli gibt alles.

 

TAG 15   Sauris/Zahre ist die am höchsten liegende Gemeinde im Friaul (12oo – 1400 m) und uns schon auf der Fahrt nach oben aufgefallen. 
Fast durchweg alte Holzhäuser säumen die Straße, sehr malerisch. Sauris ist eine deutsche Enklave mit im Moment ca. 400 Einwohnern. Es wird viel zahrisch gesprochen, ca. 70 % der Einwohner können es noch. Wir lesen außerdem, dass man hier großen Wert auf alte Tradition legt, auf nachhaltigen Tourismus. Es gibt lokalen Käse und Schinken. All das klingt sehr vielversprechend! Wir laufen vom Camp in Sauris di Sopra (oben) eine halbe Stunde bergab, halten zwischendurch in einer Hütte für ein knallgrünes Getränk (angeblich ein Sciroppo) sowie einen Café und flanieren anschließend durch das schöne Sauris di Sotto (unten). Zu diesem Ort passt das Restaurant, das wir finden. Es gibt einfache, traditionelle Speisen wie Bohnensuppe, Frico (Käsefladen) und – eben Malga Käse in verschiedenen Stadien. So lecker!
Dieser Käseteller war die beste Werbung für den örtlichen Käseladen. Wir holen unseren Bus und nehmen reichlich davon mit, fahren auch noch zur berühmten Sauris-Schinkenräucherei für ein paar Mitbringsel.
Sauris scheint ein gutes Beispiel zu sein, wie man Abwanderung in Schach halten kann.

Von meiner Freundin Tate immer wieder gepriesen sind die Alpe Carniche. Sie kennt den Karnischen Höhenweg, bestehend aus mehreren Tages-Etappen. 
Wir möchten am nächsten Tag eine Tagestour vom „unteren“ Ende her machen.
Unterhalb der Hohen Warte, in Collina, gibt es einen Bergsteiger-Campingplatz, den wir ansteuern. Nach einer kurvenreichen Strecke kommen wir nachmittags an, richten uns ein und gehen noch eine schnelle Runde, damit wir gut schlafen. Ab und zu spitzt schon einer der hohen Gipfel durch die Wolken. Wir sind gespannt auf morgen.

TAG 16     Bestes Bergsteigerwetter!
Erstes Zwischenziel ist der Lago Volaia (Wolayer See), schon in Österreich/Kärnten gelegen. Nach 2 Stunden sind wir dort, die Sonne spitzt gerade so über die Grate. Wir gönnen uns gleich mal einen Kaffee an der Hütte, bevor wir Richtung Rauchkofel (2490 m) weitermarschieren. Ab 200o Höhenmetern hängen Wolken, der Wind treibt sie zusammen und reißt sie wieder auseinander, die Thermik schickt sie an der fast 1000 m hohen Wand der Hohen Warte rasant von unten nach oben. Vom Rauchkogel-Gipfel aus haben wir einen super Blick auf das wirbelnde Schauspiel um uns herum.
Wir trauen unseren Augen nicht, als sich auch direkt hinter uns etwas bewegt. Da schau mal an … ein Murmeltier will was von uns und traut sich extrem nahe ran! So frech! Menschen gewöhnt, wie es aussieht. Gerade, dass es mir nicht auf den Schoss klettert. Das Murmel lässt uns viel Zeit, es zu beobachten, bevor es weiterzieht. Toll auch, einen Geier (!) unter uns fliegen zu sehen. 
In aller Ruhe machen wir Brotzeit an diesem schönen Ort.
Runter nehmen wir die Route über das Valentintörl, eine kurze, steile Blockrinne, danach durch ein Bergblumenparadies. Alle Bergsteiger bleiben stehen, um ein paar Fotos zu machen – wir auch.
Unser Weg mündet am Lago Volaia wieder in unsere Aufstiegs – und nun auch Abstiegsroute. Aber vorher: einmal kurz baden 🙂 … boah sooo kalt!!

Wir duschen, packen unsere Sachen und fahren noch am gleichen Tag am Plöckenpass über die Grenze nach Austria. Neben einem netten Paar aus Litauen stellen wir uns bei Leifling auf eine Bauernwiese zum Übernachten.

 

TAG 17   Nun fühlt sich alles schon ein bisschen nach Rückreise an, trotz den nächsten Highlights. Wir entscheiden uns für die Großglockner Hochalpenstraße Richtung Norden. Sie ist schon was Besonderes, auch für alles, was zwei Räder hat, motorisiert oder nicht. Unfassbar, wie viele Höhenmeter Hobby-Rennradfahrer auf sich nehmen, um von unten – vermutlich Zell am See –  bis zum Franz-Josef-Gletscher zu radeln. Auf einer stark befahrenen Straße (zugegeben: ich habe diesen Sport noch nie so richtig verstanden).
Wir fahren also neben vielen Zweirädern bis zum Hochtor (dem Pass) und stellen da den Bus ab. Hier startet eine Route zum Brennkogel (3018 m). Anfangs lassen wir es uns offen, ob wir bis zum Gipfel gehen, aber wenn einem schon ein Dreitausender direkt vor der Nase liegt …
So viele, wie sich am Hochtor aufhalten, so wenige sind hier unterwegs. Wir treffen nur auf vereinzelte Bewegungsfreudige. Unter uns windet sich die Hochalpenstraße wie eine lange Schlange durch die karge Landschaft. Vom Gipfel aus schauen wir rüber Richtung Großglockner, der sich leider in den Wolken versteckt, aber die schneebedeckten Hohen Tauern sehen wir allemal. 

Zurück am Hochtor kommen wir bei einer Tasse Kaffee mit einer Rennradlerin ins Gespräch, die leider eine Magenverstimmung hat und aufgeben muss. Nun wartet sie hier auf ihren Mann, der alleine bis zum Gletscher weitergefahren ist. Na, hoffentlich bekommt sie auch nochmal eine Gelegenheit.

 

 

Es geht weiter für uns, in Serpentinen auf der anderen Seite des Passes hinunter. Während dessen ist Zeit, sich zu orientieren und den nächsten Übernachtungsplatz zu finden. In dieser Ecke ist es dann doch etwas schwieriger.
In Rauris biegen wir ab und fahren ein laaanges Tal nach Süden. Im Seidlwinkel können wir zum Glück einkehren (Camping Andrelwirt). Es ist ziemlich eng, aber wir bekommen eine relativ ruhige Ecke und beim Wirt ein zünftiges Abendessen.

 

TAG 18    Gefühlt ist unser Trip hier nun zu Ende. Natürlich genießen wir auch den Rest der Strecke mit schönen Bergblicken, doch fahren wir jetzt „nach Hause“. Wir werden noch einmal in Bergen bei der Familie halt machen und dann wie gewohnt gemütlich in den Norden fahren. Aber das sind dann bekannte Wege.

Es war einfach mal wieder toll. Mit dem Bus unterwegs zu sein an sich, aber auch diese unterschiedlichen Gegenden zu erleben, mal traumhaftes Wasser, mal Berge, mal sogar beides. Ein bisschen Stadt und Menschen und viel Natur und Stille.

Danke euch für’s mitreisen 🙂

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